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Jakob


Klima-Politik

Wahlkampfdebatte zu Kurzstreckenflügen

Kurzstreckenflüge haben einen deutlich größeren CO2-Fußabdruck als Reisen mit alternativen Verkehrsmitteln. Dennoch werden sie mit Steuergeldern subventioniert. Dagegen sprach sich die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock aus. Langfristig sollte es gar keine Flüge auf kurzen Strecken mehr geben, teilte die Politikerin mit. Aus Reihen der CDU, CSU und auch SPD erntete Baerbock dafür viel Kritik. In der Bevölkerung befürwortet knapp jede*r Vierte die Abschaffung von Kurzstreckenflügen (Zeit). Einen Schritt weiter als Deutschland zeigt sich Frankreich. Die französische Nationalversammlung verabschiedete vor Kurzem ein Flugverbot für Strecken, auf denen die Bahn unter 2,5 Stunden benötigt. (Spiegel, Klimareporter)

Weiteres

  • Die Bundesregierung beschloss eine Reform des Klimaschutzgesetzes: Reduktion der CO2-Emissionen bis 2030 um 65 Prozent im Vergleich zu 1990, und bis 2045 Klimaneutralität. (Spiegel)
  • Kanzlerin Merkel kündigte an, Deutschland werde Ländern im globalen Süden keine weiteren finanzielle Mittel zur Bekämpfung der Klimakrise zur Verfügung stellen. Die bisherige Unterstützung sei ein „fairer Beitrag für Deutschland”. (taz)
  • Nur 239 der 401 deutschen Landkreise und kreisfreien Städte kennen ihre Emissionsbilanz. Häufig basiert diese jedoch auf veralteten Daten. (taz)
  • Verkehrsminister Andreas Scheuer will klimafreundliche Mobilität wie den Kauf von E-Bikes oder Bahntickets steuerlich entlasten. (Spiegel)
  • Spanien beschloss ein Verkaufsverbot für Benzin- oder Dieselautos ab 2040. (Spiegel)
  • Polen muss den Braunkohletagebau Turów ab sofort einzustellen. Tschechien hatte wegen fehlender Umweltverträglichkeitsprüfungen vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) geklagt. (taz)
  • Der dänische Klimabürger*innenrat debattierte verschiedene Klimamaßnahmen und fordert unter anderem die Einführung einer CO2-Abgabe und zum Beispiel Klima als Unterrichtsfach. (taz)

Klima-Wissenschaft

Eine erneuerbare Stromversorgung bis 2030 ist möglich

Innerhalb von nur zehn Jahren könnte Deutschland flächendeckend auf eine erneuerbare Energieversorgung umgestellt werden. Dies geht aus einer neuen Studie des Berliner Thinktanks Energy Watch Group (EWG) hervor. Sowohl der Strombedarf könne alleine mit Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Geothermie gedeckt werden, als auch die Wärmeversorgung aus regenerativen Quellen. (Spiegel, Klimareporter)

Die Studie. Die Autor*innen nennen in ihrer Studie drei Szenarien zum Erreichen von 100 Prozent erneuerbarer Energie. Sogenannte Dunkelflauten ohne Wind und Sonne seien dabei berücksichtigt. Entscheidend für Deutschland ist der Ausbau der Windenergie. Je nach Szenario setzen die Forscher*innen mehr oder weniger auf Windkraft und passen entsprechend die anderen Sektoren, wie den Ausbau des Stromnetzes oder der Fotovoltaikanlagen an. Im günstigsten Szenario führt die Umstellung nicht zur Erhöhung der Stromkosten. Als große Schwäche der Studie nennen die Autor*innen, dass der Energiebedarf von einigen stromintensiven Sektoren, wie beispielsweise der Zementherstellung, nicht berücksichtigt wurde. Das Ergebnis zeige dennoch, dass eine schnelle Energiewende grundsätzlich technisch möglich ist.

Weiteres

  • Zur 1,5-Grad-Grenze des Pariser Klimaschutzabkommens:

    • Bereits in den nächsten fünf Jahren könnte die globale Erwärmung die 1,5-Grad-Grenze kurzfristig überschreiten. (Spiegel)
    • Um die Erwärmungsgrenze von 1,5-Grad langfristig einzuhalten, reicht das schnelle Absenken der CO2-Emissionen nicht mehr alleine aus. Der Ausbau von Kohlenstoffsenken und die Reduktion von Methanemissionen sind unverzichtbar. (Studie, Klimareporter)
    • Der Anstieg des Meeresspiegels bis zum Jahr 2100 könnte halbiert werden, wenn die 1,5-Grad-Grenze eingehalten wird. (Studie, CarbonBrief)
  • Für die Transformation des globalen Energiesektors ist ein sofortiger Stopp von Investitionen in den Bau von Kohlekraftwerken sowie in die Erschließung neuer Erdöl- und Erdgasfelder essenziell. (IEA-Bericht, Klimareporter)
  • Der Regenwald hat in den letzten zehn Jahren 20 Prozent mehr CO2 emittiert als absorbiert. Walddegradation und Abholzung seien Ursachen. (Studie, Spiegel)

Klima-Folgen

Explosionsartige Vermehrung von Plankton im Marmarameer

In Istanbul ist das Meer mit einer dicken, zähen, weißgelben Schleimschicht bedeckt. Betroffen ist die gesamte Bucht rund um Bostanci. Der Schleim, genannt „sea snot” oder „Meeresrotze”, ist im gesamten Marmarameer zwischen dem Schwarzen Meer und der Ägäis zu finden. Sowohl die Strände, die gewöhnlich zum Schwimmen einladen, als auch die Fischerei sind bedroht. Laut dem Hydrobiologe Levent Artüz von der Organisation „Marmarameer Umwelt Monitoring” ist der Schleim das Ergebnis einer explosionsartigen Vermehrung von Phytoplankton. Dieses sondere den Schleim ab. (taz, BR)

Ursachen. Die starke Vermehrung des Phytoplankton deute auf verschiedene Missstände hin, so Mustafa Sari, einer der führenden Meeresbiologen von der Universität in Bandirma:

  • Es sei ein sichtbares Zeichen für die Erwärmung des Wassers durch den Klimawandel.
  • Es deute auf die immensen Schadstoffeinleitungen über die letzten Jahrzehnte hin. Insbesondere von den knapp 20 Millionen Bewohner*innen aus Istanbul.
  • Es zeige, dass durch jahrelange Überfischung kaum Fischbestände vorhanden sind. In einem gesunden Gewässer fressen Fische das Plankton.

Weiteres

  • Der Klimawandel und Schädlinge schaden dem Rapsanbau. Die Anbaufläche beträgt derzeit rund zehn Prozent weniger als noch 2014. (Zeit)
  • Armin Schuster, der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), warnt vor Trinkwasserknappheit in Deutschland aufgrund des Klimawandels. Er ruft zur Vorsorge auf. (Zeit)
  • Sachsens Feuerwehren stehen durch den Klimawandel vor neuen Herausforderungen. Durch die Trockenheit nehme die Brandintensität zu und die natürlichen Löschwasserquellen wie Flüsse und Teiche seien wenig ergiebig. (Zeit)
  • Die Gletscher in Bayern schmelzen schneller als erwartet. In zehn Jahren werden sich voraussichtlich komplett verschwunden sein. (Zeit)
  • Fast alle der rund 220.000 Gletscher der Welt schrumpfen derzeit. Dieser Trend hat sich in den vergangenen 20 Jahren deutlich beschleunigt. (Spiegel)
  • Das Schmelzwasser des grönländischen Eisschilds enthält eine hohe Konzentration an Quecksilber. Der Klimawandel beschleunigt das Schmelzen und so die Vergiftung der Meere durch das Schwermetall. (Studie, Tagesspiegel)
  • Im globalen Schnitt sind rund ein Drittel aller hitzebedingten Todesfälle der vergangenen Jahrzehnte auf den Klimawandel zurückzuführen. (Studie, Spiegel)
  • Der indische Bundesstaat Gurajat wurde vom schlimmsten Wirbelsturm, den es an der Westküste des Landes seit mehr als zwei Jahrzehnten gab, heimgesucht. Die globale Erwärmung intensiviert solche Stürme. (ClimateHomeNews)

Klima-Aktivismus

Greenpeace bringt hunderte Autoschlüssel auf die Zugspitze

Greenpeace entwendete hunderte Autoschlüssel von Fahrzeugen des Herstellers VW und brachte sie auf den Schneeferner-Gletscher der Zugspitze. Mit der Aktion wollen die Aktivist*innen VW’s Umstieg zur Elektromobilität kritisieren, er verlaufe zu langsam. Den Schneeferner-Gletscher wählten sie als Aktionsort, da dieser besonders stark vom Klimawandel betroffen ist. Die Schlüssel zogen sie von Fahrzeugen ab, die unverschlossen für den Export im Emdener Hafen standen. Greenpeace gibt an, die 1500 Schlüssel nur „entliehen” zu haben. Einer VW-Sprecherin zufolge hat der Konzern keine Anzeige erstattet. Das Unternehmen sei „offen für den kritischen Dialog”. (Spiegel, Heise)

Weiteres

  • Aktivist*innen, die gegen die Autobahn A14 im Norden Sachsen-Anhalts demonstrieren, wurden Opfer eines Brandanschlags. (taz)
  • Fridays for Future, das Bündnis Unteilbar und die Gewerkschaft Verdi wollen mit Blick auf die Bundestagswahlen gemeinsam auf ihre Forderungen nach Klimaschutz und einer solidarischen, nachhaltigen Gesellschaft aufmerksam machen. (taz)
  • In Frankreich demonstrierten Zehntausende für ambitioniertere Klimaschutzmaßnahmen. Das neue französische Klimaschutzgesetz gehe nicht weit genug. (Zeit)
  • Seit Mai verbietet Amsterdam Werbung für „fossile Produkte”. Eine große Briefkampagne der Initiative „Reclame Fossielvrij” in Kooperation mit rund 50 lokalen Organisationen hatte dies gefordert. (Euronews)

Klima & Wirtschaft

Fossile Wirtschaft erhält weiterhin staatliche Subventionen

Die Wirtschaftssektoren Kohle, Erdöl und Erdgas erhalten weiterhin große Mengen an staatlichen Hilfen. Zwischen Januar 2020 und März 2021 investierten die sieben großen Industrienationen „G7” 189 Milliarden US-Dollar. In die erneuerbaren Energien flossen dagegen nur 147 Milliarden US-Dollar, so ein Bericht des kanadischen Forschungsinstituts IISD, des britischen Overseas Development Institute (ODI) und der freikirchlichen Hilfsorganisation Tearfund. Auch die Covid-19-Hilfsgelder kamen nur zu zehn Prozent bei Technologien wie erneuerbaren Energien oder mit Bezug zu Energieeffizienz an. Problematisch ist, dass Investitionen in fossile Wirtschaftszweige den rechtzeitigen Wechsel zu einer klimaneutralen Gesellschaft behindern. (Klimareporter)

Später im Mai vereinbarten die sieben Industrieländer „G7” auf einem online Gipfeltreffen ab 2022 nicht mehr in fossile Energieträger zu investieren. (Klimareporter)

Weiteres

  • Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) kündigte an, nicht mehr in Kohleförderung oder -verstromung zu investieren. (Klimareporter)
  • Der Öl- und Erdgaskonzern Shell wurde vom niederländischen Gericht in Den Haag dazu verurteilt, bis 2030 seinen CO2-Ausstoß um 45 Prozent im Vergleich zu 2019 zu senken. (Spiegel)
  • Schweden ist Vorreiter in der Produktion von fossilfreiem Stahl. Der Stahlkonzern Svenskt Stål AB führt laut Londoner Carbon Disclosure Project die Rangliste bei der Umstellung zu einer klimafreundlichen Produktion an. (taz)
  • Nordlink, die längste Seekabel-Stromverbindung der Welt, wurde zwischen Deutschland und Norwegen in Betrieb genommen. Damit soll die schwankende Erzeugung aus Wind und Sonne ausgeglichen werden. (Klimareporter)

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